Wenn Menschen hören, dass ich Ordnungsexpertin bin, denken viele vermutlich, dass bei mir immer alles perfekt organisiert ist.
Die Wahrheit? Meine Garage war der beste Beweis dafür, dass auch Ordnungsexperten Menschen sind, ganz getreu dem Motto "der Schuster hat die schlechtesten Schuhe".
Als ich unser Haus im November 2017 übernommen habe, gehörte die Garage zu den Bereichen, die voller Altlasten der Vorbesitzerin waren. Damals hatte ich allerdings ganz andere Prioritäten. Wer schon einmal ein Haus übernommen hat, weiß: Zuerst geht es um Renovierungen, Handwerker, Möbel, Kinderzimmer und die tausend Dinge, die im Haus dringend erledigt werden müssen.
Ordnung war damals eher ein Luxusprojekt.
Dazu kamen mein Berufsalltag mit täglich mindestens zwei Stunden Pendelzeit, zwei kleine Kinder und natürlich der ganz normale Familienwahnsinn. Die Garage? Die musste warten.
Als plötzlich die Zeit anders genutzt wurde
Während der Corona-Jahre fiel zwar die Pendelzeit weg, dafür saßen plötzlich zwei Kinder im Homeschooling zu Hause. In dieser Zeit habe ich mich intensiv mit der Ordnung im Haus beschäftigt. Gleichzeitig haben wir die neue Umgebung erkundet und uns hier richtig eingelebt.
Die Garage blieb weiterhin das, was Garagen oft werden: ein Ort für Dinge, die man später einmal aussortieren möchte.
Aus den Augen, aus dem Sinn
In den vergangenen Jahren habe ich immer wieder Anläufe genommen:
Mal eine Ecke aufgeräumt.
Mal einen Karton durchgesehen.
Mal ein Regal sortiert.
Doch jedes Mal wirkte die Aufgabe so groß, dass ich irgendwann wieder aufgehört habe.
Und wie das oft passiert, landete alles, was keinen festen Platz hatte oder über das ich später entscheiden wollte, einfach in der Garage. Aus den Augen, aus dem Sinn. Bis es irgendwann einfach zu viel wurde.
Der eigentliche Auslöser
Mein inzwischen großer Sohn möchte ständig an sein Fahrrad. Völlig verständlich. Doch jedes Mal mussten wir uns erst einen Weg durch die Garage bahnen.
Gleichzeitig standen dort noch jede Menge Dinge aus vergangenen Lebensphasen:
ein Tretbulldog
Kinderroller
Puppenwagen
alte Spielsachen
Und natürlich viele Dinge der Vorbesitzerin, die ich seit mittlerweile 8,5 Jahren nicht ein einziges Mal genutzt hatte.
Spätestens da war klar: Jetzt oder nie.
Tag 1: Platz schaffen
Am ersten Tag habe ich eine komplette Garagenseite freigeräumt.
Dort konnte ich endlich ein Kaminholzregal aufstellen und das Holz ordentlich einlagern, das bisher lose in der Garage verteilt lag. Schon dieser kleine Bereich machte einen riesigen Unterschied.
Tag 2: Unterstützung vom Teenager
Am zweiten Tag haben mein Sohn und ich gemeinsam ein weiteres Kaminholzregal aufgebaut. Nicht nur praktisch, sondern auch ein schönes gemeinsames Projekt.
Tag 3: Das große Chaos
Am dritten Tag ging es ans Eingemachte. Mit beiden Kindern haben wir nahezu die komplette Garage ausgeräumt. Bis auf das bereits gefüllte Holzregal kam alles nach draußen.
Und genau wie jeder Ordnungscoach es sagt, sah es zunächst deutlich schlimmer aus als vorher.
Zeitweise fragten Spaziergänger tatsächlich, ob wir einen Flohmarkt veranstalten würden.
Unser Vorgehen war dabei ganz einfach:
Zuerst haben wir offensichtlichen Müll entsorgt. Alte Kartons, defekte Gegenstände und alles, was eindeutig weg konnte.
Danach haben wir nach Kategorien sortiert:
Blumentöpfe zu Blumentöpfen
Spielgeräte zu Spielgeräten
Autozubehör zu Autozubehör
Werkzeug zu Werkzeug
Anschließend haben wir jeden einzelnen Haufen kritisch durchgesehen:
Wird das noch genutzt?
Ist es noch gut?
Möchten wir es wirklich behalten?
Alles, was weg durfte, haben wir sofort fotografiert und bei Kleinanzeigen eingestellt. Die meisten Dinge sogar zu verschenken.
Denn ganz ehrlich: Für viele Gegenstände lohnt sich der Aufwand für fünf Euro Verhandlung einfach nicht. Wenn jemand die Sachen gebrauchen kann und sie schnell verschwinden, ist das oft deutlich mehr wert.
Danach wurde alles, was bleiben durfte, ordentlich eingeräumt. Die Kleinanzeigen-Sachen wurden gesammelt zwischengelagert. Der Rest kam konsequent weg.
Nach knapp fünf Stunden konzentrierter Arbeit waren wir tatsächlich fertig.
Tag 4: Der Effekt wird sichtbar
Am vierten Tag wurde neues Kaminholz geliefert. Und plötzlich zeigte sich, warum Ordnung so viel mehr ist als nur schön aussehen“. Weil alle Wege frei waren und alles seinen Platz hatte, war das Einräumen in kürzester Zeit erledigt.
Gleichzeitig meldeten sich bereits zahlreiche Interessenten auf unsere Kleinanzeigen. Ein Großteil der aussortierten Dinge hat schon ein neues Zuhause gefunden. Und mit jedem abgeholten Gegenstand wird die Garage noch ein Stück leichter.
Meine wichtigste Erkenntnis
Dieser Erfolg hat mich an etwas erinnert, das ich auch meinen Kunden immer wieder sage:
Nicht jedes Projekt muss sofort erledigt werden. Manche Bereiche begleiten uns über Jahre. Manchmal fehlt die Zeit. Manchmal die Energie. Und manchmal ist die Aufgabe einfach zu groß, um sie neben Beruf, Familie und Alltag sofort anzugehen. Wichtig ist nicht, wann man beginnt. Wichtig ist, dass man irgendwann beginnt.
Nach 8,5 Jahren ist unsere Garage endlich ein Raum geworden, den wir wirklich nutzen können. Und ehrlich gesagt fühlt sich das ziemlich großartig an. Und am Ende war's weniger schlimm als immer gedacht und befürchtet!
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HALLO, ICH BIN DIE AUTORIN…
Beate von mehr Minimalismus.
Lange habe ich mich selbst privat mit dem Aussortieren und Schaffen von Ordnung beschäftigt, bevor ich 2024 endlich zertifizierte Ordnungsexpertin mit TÜV Rheinland geprüfter Qualifikation geworden bin und mich selbstständig gemacht habe.
Spezialisiert bin ich auf Ordnung in Dokumenten und Finanzen, aber viele meiner Kundinnen stehen noch ganz am Anfang - für sie ist dieser Blog und meine ebenfalls kostenlose Community
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